Mein Auslandspraktikum auf einem französischen Bauernhof (Janko Möbes, 9a)“

Ich habe mein Praktikum in Südfrankreich abgeleistet, im Aude-Tal südlich von Carcassonne. Das Dorf, zu dem der etwas abseits gele-gene Hof gehört, heißt Rennes-les-Bains und hat drei heiße Quellen. Durch das Tal, in dem der Hof liegt, fließt ein kleiner, salzhaltiger Fluss, die Salz. Die Landschaft ist sehr vielfältig: Von kahlen Fels-hängen, Ausläufer der Pyrenäen, über steppenartige Flächen mit typisch südlichen Pflanzen wie Rosmarin, Thymian und Maulbeer-büschen, bis hin zu weiten Wäldern mit zahlreichen Esskastanien-bäumen.

Die Selbstversorgerfamilie, bei der ich war, sind allesamt meine Verwandten, die auf zwei Häuser verteilt wohnen. La Ramonette ist das Haus meiner Tante Ulla, die gelegentlich Zimmer an Touristen vermietet oder Teilnehmern des WWOOF (World Wide Opportunities on Organic Farms) eine Anlaufstelle bietet. Dann gibt es das weiter auf dem Berg gelegene Haus Soulanelle, wo mein Cousin Aureliano, seine Frau Cindy und deren zwei Söhne Jeff-Ewan und Elyam wohnen.

Bei der Kartoffelernte
Der Hof liegt auf einem neun Hektar großen Grundstück, das meine Tante mit ihrem damaligen Mann vor 35 Jahren gekauft hat. Das heutige Wohnhaus war damals nur eine abbruchreife Scheune voll mit modrigem Stroh und wird ständig erweitert und umgebaut. Von Anfang an versuchten sie die Früchte der Natur zu nutzen, um sich mehr und mehr komplett selbst versorgen zu können. Die Wälder um die Häuser bestehen aus Esskastanien-bäumen, Buchen und Eichen. An den Häusern gibt es einige Obstbäume (Apfel, Pfirsich, Feigen, Mirabellen, Pflaumen und Birnen). Zu jedem Haus gehört ein Garten, in dem Gemüse und Kräuter wachsen. Die tierischen Mitbewohner sind drei Esel und zwei Katzen.

Wir haben in Soulanelle an und in der Küche gearbeitet, im Gar-ten Kartoffeln geerntet sowie Äpfel gesammelt und verarbeitet.

In Ramonette hingegen haben wir die Veranda abgebaut und uns um die Isolierung zweier Räume gekümmert, ein Dach gedeckt sowie die Äpfel getrocknet.

Ich hatte keine konkreten Erwartungen an mein Praktikum, ich wusste nur, dass wir Äpfel und Kastanien ernten und verarbei-ten, naturnah leben und körperlich arbeiten würden. Ansonsten hatte ich keine Vorstellung davon, was wir machen würden; außer - dass man dort so ziemlich alles machen muss, von Tiere füttern bis hin zu Haus erweitern und dass alles auch immer
vom Wetter abhängig ist. Ich flog also offen für alles nach Frankreich.

Sägespäne sieben
Ausbrennen einer Kastanienschälmaschine
Vor Ort erlernte ich den Gebrauch vieler Werkzeuge und Ma-
schinen wie dem Flammenwerfer, dem Brecheisen, dem Seitenschneider, der Kompressionsnagelpistole, der Hebebühne am Traktor zum Heben von Eimern mit Zement für die Wand-
isolation, dem Quad zum Transport von Sachen. Auch einige kreativ improvisierte Maschinen kamen zum Einsatz: Apfel-
zerkleinerer, Kastanienschälmaschine aus alten Waschmaschi-
nen und einen Bettrost zum Sieben der Sägespäne für den Naturputz.

Das Praktikum war für mich lehrreich, wenn auch zum Teil eintönig; doch einiges hat mich auch beeindruckt, so z.B. dass man Bäume veredeln kann und dadurch eine viel bessere Ernte bekommt.

Das Leben in der Natur ist schön, aber für mich zu stark vom Wetter abhängig, da man die Kastanien z.B. sammeln muss, wenn sie durch einen Sturm vom Baum gefallen sind und nicht wenn man Lust dazu hat.

Das Leben in der Natur ist stark von körperlicher Arbeit ge-
prägt; das war ziemlich neu für mich, wobei das Anstrengendste eindeutig das stundenlange Arbeiten in der Hitze war.

Ich fand es aber toll, dass immer wieder ein WWOOFer kam, weil sie Neuigkeiten kannten und auch Dinge können, die ich nicht kann. Außerdem finde ich die Offenheit der Menschen in dieser Gegend fantastisch, man verabredet sich selten, sondern kommt einfach mal so zu Besuch.

Neue Dachziegel verlegen