Mit dem Religionskurs der Q2 zu Gast in der Aachener Synagoge

An einem kalten Donnerstagvormittag im Januar machten sich die Religionsschüler/innen der Q2 zusammen mit ihrer Lehrerin Frau Oswald auf, die Synagoge in Aachen zu besichtigen.

Nach einer Führung im vergangenen Schuljahr zu den Stolpersteinen am Schulort Langerwehe, bei der den Schülern/innen die leidvolle Geschichte der jüdischen Mitbürger in der NS Zeit vor Augen geführt wurde, bot sich ihnen nun die Gelegenheit, das moderne und lebendige Leben der jüdischen Gemeinde in Aachen kennen zu lernen.

Die heutige Synagoge, die 1995 eingeweiht wurde, steht auf dem Platz des alten Gotteshauses, das 1861 eingeweiht und in der Reichspogromnacht 1938 vollständig zerstört wurde. An die damals ermordeten jüdischen Mitbürger erinnern Namenstafeln in einem außen gelegenen Raum. Die neue moderne Synagoge heißt alle Menschen willkommen. Über der Glasfassade des Haupteingangs steht
in hebräischen Buchstaben das Motto der Synagogengemeinde: “ Mein Haus soll sein ein Haus des Gebetes für alle Völker“.

Mit dieser Erklärung begrüßte uns Frau Spelthahn und lud uns alle ein, an den Gottesdiensten am Sabbat teilzunehmen. Sie erzählte
uns von den jüdischen Traditionen, wie z.B. der wöchentlichen Feier des Sabbats, der religiösen Gebetskleidung der Männer, die vor Betreten des Gebetsraumes die Kippa aufsetzen und im Gottesdienst den Tallit tragen, beides Zeichen der Demut vor Gott.

Der schmucklose Gebetsraum umfasst Platz für 300 Gläubige. Durch eine Glaskuppel fällt das Licht in den Raum, wo die Sitzbänke kreisförmig um den zentralen Tisch angeordnet sind, auf dem die Torarolle während des Gottesdienstes ausgerollt wird. Die Frauen sitzen während des Gottesdienstes auf der Empore. Der moderne Kronleuchter unter der Glaskuppel ist ein Geschenk des Bistums Aachen und ist in seiner Form angelehnt an den Barbarossaleuchter im Aachener Dom. Die stilistisch in jedes Fenster eingebaute Menora erinnert an die alte Synagoge vor der sog. Reichskristallnacht .

Beeindruckend sind die handgeschriebenen Torarollen, die die 5 Bücher Mose enthalten und die hinter einem blauen Samtvorhang im Synagogenraum aufbewahrt werden. Über diesem Schrank sind das ewige Licht und zwei Gesetzestafeln zusehen, die an die 10 Gebote erinnern. Ist eine Torarolle alt und brüchig, darf sie aus Respekt vor Gott nicht einfach entsorgt werden, sondern wird auf einem Friedhof beerdigt.

Frau Spelthahn erklärte uns zahlreiche Aspekte jüdischen Glaubens, wie die wöchentliche Feier des Sabbat, der am Abend vorher mit einer Feier nach dem Gottesdienst im Gemeindesaal eingeweiht wird: Dann wird Wein oder Traubensaft getrunken und Brot gegessen. Vor jedem Brotgenuss werden die Hände gewaschen und Gott wird mit einem Segensspruch um die Erlaubnis gebeten, von diesem Brot essen zu dürfen.

Oder z.B. das Schofarhorn, das einzige Instrument aus dem Altertum, das heute noch in der Synagoge benutzt wird und das u.a. erinnert an die Übergabe der 10 Gebote am Sinai mit der Aufforderung, die Gebote einzuhalten. Oder die Mesusa, schräg am Tür-
rahmen angebracht (nur Gott kann die Dinge gerade rücken), die das jüdische Glaubensbekenntnis enthält, das Schma „ Höre, Israel, Adonai ist unser Gott, Adonai ist ein Eins“)

Diese und noch viele weitere Aspekte zeigten den Schülern/innen, dass es zum Christentum Unterschiede, aber auch viele Gemein-
samkeiten gibt, dass beide Religionen einen gemeinsamen Ursprung haben ( auch der Islam ist hier zu nennen).

Frau Spelthahn verabschiedete sich mit dem Hinweis, dass am 27. Januar 2017 der internationale Tag des Holocaust ist und erläu-
terte, dass der Begriff „Holocaust“ für Juden ein schmerzlicher Begriff ist, da seine Bedeutung „völlig ausgebrannt“ das Leiden der jüdischen Bevölkerung in der Zeit der Nazis begreift.

In Erinnerung an diese schmerzvolle Geschichte und durch die Offenheit für andere Traditionen entsteht Toleranz, in unserer heutigen Zeit wichtiger denn je.